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Abb. 1: Die wichtigsten Features der Heat Smart 3 auf einen Blick

 

Seit genau einem Jahr habe ich nun die HEAT 3 SMART Handschuhe im Extrem- und Dauertest.
Da ich keine Freund von Kurzzeit Praxistests bin, da viele Vor- und Nachteile sich eigentlich immer erst nach einem ausgiebigen Gebrauch bemerkbar machen, habe ich mir für diese Handschuhe extrem viel Zeit gelassen. Dabei kamen die Handschuhe sowohl im Hochgebirge bei winterlichen Bedingungen, als auch nördlich des Polarkreises im arktischen Winter, zum Einsatz.

Lange Zeit war ich auf der Suche nach den passenden Handschuhen, um im Winter bei Wind und Wetter sowohl den besten Kälteschutz zu haben, als auch möglichst flexibel zu sein, eine Kamera optimal und schnell bedienen zu können. Ich habe zu Hause ein ganzes „Handschuhsortiment“ verschiedenster Kombinationen und war bisher einfach nicht zufrieden, bis ich auf die Heat 3 Smart gestoßen bin.

Mit dicken warmen Fäustlingen ist man zwar bestens gegen Kälte geschützt, kann aber meist weder einen Reißverschluss damit öffnen, geschweige denn eine Kamera bedienen. So hatte ich vor den Heat 3 Smart Handschuhen eine Kombination von dünnen Fleecehandschuhen unter dicken Fäustlingen. Das hat zwar recht gut funktioniert, jedoch gab es hier trotzdem viele, nicht zufrieden stellende Probleme :

Durch die Kombi waren die Hände zwar extrem gut gegen Kälte geschützt, jedoch konnte ich auf Grund des Volumens meist gerade noch die Wanderstöcke halten. Jedoch das Öffnen eines Reißverschlusses war bereits eine meisterliche Herausforderung. Also mussten die Fäustlinge jedes Mal zur Bedienung der Kamera etc. ausgezogen werden. Da die meisten Fäustlinge jedoch leider keinen Fangriemen haben sind diese unter dem Arm geklemmt, oft in den Schnee gefallen oder wenn ich sie auf den Rucksack platziert habe, sehr schnell ausgekühlt … das kostet Zeit ist nervig und bei extremer Kälte und Sturm sogar gefährlich. So ein Handschuh kann schnell einmal im Sturm „verschwinden“ und dann hat man u.U. schnell ein Problem, hat man kein Reservepaar zur Hand.

Die Heat 3 SMART schließen diese Lücke perfekt, da in dem Handschuh dünne Fleecehandshuhe und ein dicker Überfäustling vereint sind.
Die Smart 3 besitzen Fangriemen für das Handgelenk, so daß falls man die Handschuhe einmal ausziehen möchte, und das will man und muss man nur wenn einem zu warm wird ;-), sind diese bestens gegen Verlust geschützt. Dieses einfache Feature ist so nützlich wie wichtig. So kann der Handschuh nicht verloren gehen oder gar in den Schnee oder in die Nässe rutschen.
Es ist mir ein ausgesprochenes Rätsel, wieso die Handgelenksfangriemen bei vielen Topmodellen renommierter Alpenfirmen einfach fehlen.

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Abb. 2 : Fäustling und Fingerhandschuh in einem für Wärmeschutz und maximale Taktilität

Der größte Vorteil der Heat 3 Smart Handschuhen ist jedoch die Tatsache, daß man den Überhandschuh erst gar nicht ausziehen muss, zur Bedienung einer Kamera. Ein Reißverschluss auf der Handinnenfläche öffnet den Fäustling und legt die Finger frei, die weiterhin mit Fleecehandschuhen geschützt sind. Dabei kann der dicke Fäustling nach hinten gestülpt werden und auf der Handrückenseite sicher (mittels eines Druckknopfes) gesichert werden, so daß dieser Teil nicht stört. Durch den griffigen Lederbesatz kann man dies problemlos mit dem anderen Fäustling erledigen. Sogar der Daumen kann freigelegt werden und mit einem Klettverschluss gesichert werden.

Durch die Fleecehandschuhe geschützt, kann jetzt die Kamera problemlos bedient werden und durch die Silberbeschichtung des Zeigefingers und Daumens kann sogar ein Touchscreen eines Smartphones oder Tablets bedient werden. Das ist gerade besonders für z.B. Timelapsefotografen nützlich, die ihre Sequenzen mittels einer App steuern.

Die Fleecehandschuhe liegen bei der Wahl der richtigen Größe gut an den Fingern an und selbst diffizile Tätigkeiten wie das Öffnen eines Akkufaches der DSLR sind problemlos durchführbar.

Die Fleece Handschuhe sind jedoch nicht mit einer windundurchlässigem Membran gefertigt, so daß die Finger bei starkem Wind und tiefen Temperaturen relativ schnell auskühlen. Herrscht kein Wind kann man jedoch ziemlich problemlos längere Zeit, auch bei deutlichen Minusgraden, nur mit den Innenhandschuhen hantieren.
Hier wurde auf Grund der größeren möglichen Taktilität auf eine Membran verzichtet. Handflächen und Handgelenk sind jedoch stets weiterhin vom dicken Überhandschuh geschützt. Wird es an den Fingern zu kalt, kann man mit fast nur einem Handgriff schnell in die Fäustling zurückschlüpfen. Die Fäustlinge selbst sind aus einem elastische Mikrofasergewebe atmungsaktiver Membran gefertigt, für einen bestmöglichen Nässeschutz und mit 120g Primaloft gefüttert.
Es gibt deutlich dickere Fäustlinge auf dem Markt, was bei Minusgraden im zweistelligen Bereich von Vorteil sein kann, jedoch kann man mit solchen Handschuhen wirklich nichts weiter bedienen als einen Eispickel oder Wanderstöcke.

Bei extremen Temperaturen wartet der Smart 3 jedoch mit einem weiteren wirklich nützlichem Feature auf. Auf dem Handrücken befindet sich ein mit einem Reißverschluss gesichertes Einschubfach, für die ebenfalls von The Heat Company hergestellten Heatpacks. Extra für die Handschuhe gibt es in passender Größe Handwärmer, die sich nach der Entnahme aus der Verpackung, auf Grund chemischer Prozesse erwärmen und bis zu 12 Stunden (Herstellerangaben) wohlige Wärme spenden. Das funktioniert in der Praxis selbst bei tiefen Minusgraden hervorragend. Die Heatpacks sollten nach der Entnahme am besten in eine offene Jackentasche (oder ähnliches) gegeben werden, damit der Sauerstoff der Luft die exotermische chemische Reaktion der ungiftigen Inhaltsstoffe (Aktivkohle und Tonmineralien) starten kann. Nach wenigen Minuten kann man die Heatpacks in die Handrückenfächer der Handschuhe geben und die Handschuhe erwärmen sich angenehm. Die Wärmeentwicklung wird auf der Packung mit bis zu 12 Stunden angeben, was ich jedoch zumindest bei extremen Temperaturen nicht bestätigen kann, jedoch sind ca. 6-8 Stunden durchaus realistisch. Gibt man die Heatpacks zu früh in die Handschuhe dann dauert es u.U. sehr lange bis sie sich erwärmen, da sehr wenig Sauerstoff in die geschlossenen Handrückentaschen gelangen kann. Ich würde auch empfehlen den Inhalt der Heatpacks gut mehrmals zu schütteln, um die chemischen Prozesse besser zu aktivieren.

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Abb. 3: In die Handrückentasche kann ein Handwärmer zur Steigerung der Wärmefunktion des Handschuhes eingelegt werden.

Diese Funktion ist natürlich bei sehr kalten Temperaturen perfekt, denn wenn man nach einer diffizileren Tätigkeit mit nur den Fingerhandschuhen in die dicken Fäustling zurückschlüpft, ist dieser nicht ausgekühlt und die u.U. kalten Finger erwärmen sich recht schnell. Da das Heatpack dabei aber auf der Handrückenseite liegt, werden die kalten Fingerspitzen weniger erwärmt als der Handrücken. Deshalb ist es bei richtig kalten Temperaturen praktisch einen 2. Satz Handwärmer dabei zu haben, die man u.U. dann zusätzlich in den Fäustling auf die Handflächen einlegen kann. Da es dafür keine extra Tasche gibt, liegt das Heatpack dann allerdings nur lose im Fäustling über den Fingerhandschuhen, so daß ich dazu nur raten würde wenn man wirklich kalte Finger hat oder längere Zeit in der Kälte stehen muss ohne ständig von der Finger- zur Fäustlingsfunktion der Handschuhe wechseln muss.

 

ERGEBNISSE NACH INTENSIVER GEBRAUCHSPHASE :

_MG_3203 KopieNach einer einjährigen intensiven Gebrauchsphase, in der die Handschuhe wirklich auf jeder Winter und Herbsttour im Hochgebirge und auch auf zwei Reisen jenseits des Polarkreises bei deutlichen Minusgraden zum Einsatz kamen, bin ich weiterhin extrem begeistert von den HEAT 3 SMART und möchte sie auf keiner Tour missen. Ich habe die Handschuhe bei Schneeschuhtouren, Rodeltouren, Hochgebirgstouren eingesetzt und sie hielten meine Hände bis -20 Grad, bei Sturm und Wind und Wetter warm. Bewegt man sich, sind die Handschuhe mit den Heatpacks zu warm. Beim mehrstündigen Aufenthalt in der Kälte ohne aktive Bewegung würde ich stets zum „Handwärmer“ Upgrade raten.

Da die Fingerhandschuhe aus einem relativ dünnen Microfaser Fleece Gewebe gefertigt sind liegt meines Erachtens die einzige Achillesferse des Handschuhs genau hier. In der einjährigen intensiven Gebrauchsphase zeigten sich hier deutliche Verschleißspuren an den Handschuhen. Das Fleecematerial pillte deutlich sichtbar an den am meisten benützen Stellen bereits nach wenigen Wochen und die Silberschichtung nutzte sich an Zeigefinger und Daumen ab, ohne (bisher) jedoch die Funktion zu beeinträchtigen. Die Haltbarkeit des Handschuhes wird sich also in erster Linie daran richten wieviel man mit den Fingerhandschuhen (evtl. Scharfe Gegenstände) zu hantieren hat. Die Wärmefunktion des Handschuhs insgesamt hatte dadurch jedoch keinerlei Einbußen hinzunehmen. Das Aussenmaterial des Fäustlings ist nahezu „unkaputtbar“.

 

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Abb. 4: Unterschied neuer Handschuh links und intensiv gebrauchter Handschuh rechts. Deutliche Pillingspuren am Fleecematerial und der Silberbeschichtung, jedoch ohne Beeinträchtigung der Funktion.  

 

 

ZUSAMMENFASSUNG:

Perfekter alpintauglicher Kombinations Handschuh, der dünne taktile Fleecehandschuhe und einen warmen Fäustling in einem Handschuh vereinigt. Durch pfiffige Features wie die Handrückentasche, für dafür vorgesehene Heatpacks, kann die Wärmefunktion des Fäustlings deutlich gesteigert werden. Durch den griffigen Ziegenlederbesatz der Handfläche und des Daumens kann man Gegenstände, wie einen Eispickel oder Wanderstöcke, sicher greifen und bedienen. Auch Reissverschlüsse mit einer Verlängerung können gut bedient werden. Ein schneller Wechsel zwischen Fäustling und Fingerhandschuh ist möglich ohne die Fäustlinge auszuziehen. Die Innenhandschuhe sind bei idealer Passung sehr taktil und griffig genug alle Knöpfe einer professionellen DSLR problemlos bedienen zu können. Die Handschuhe sind durch einen Handgelenksfangriemen vor Verlust oder „in den Schnee fallen“ gesichert. Die Silberbeschichtung zur Bedienung eines Touchscreen ist ein für bestimmte Fotografen u.U. ein wichtiges Feature, jedoch nutzte sich diese Beschichtung bereits nach wenigen Wochen am Zeigefinger stärker ab, jedoch ohne Einbußen der Funktion. Der Innenhandschuh bietet ausreichende Isolation bei windstillen Verhältnissen, auch bei tiefen Temperaturen. Jedoch kühlen die Finger bei starkem Wind (nur mit dem Innenhandschuh geschützt) relativ schnell aus (eine winddichten Membran fehlt dem Innenhandschuh zu Gunsten der Taktilität). Dann muss man zurück in den warmen Fäustling wechseln.

Im Langezeittest nutzen sich die Fleeceinnenhandschuhe bereits nach kurzer Zeit sichtbar ab, jedoch zeigte sich bis auf das deutlich visuelle Pilling des Fleeecematerials, keine weitere Beeinträchtigung der Funktion der Handschuhe. Das Aussenmaterial zeigte keine „Ermüdungserscheinungen“.

Es gibt sicherlich insgesamt wärmere Alpinhandschuhe, jedoch (momentan) keinen mit den vorgestellten Funktionen, die den Handschuh bis zu tiefen Minusgraden für den Outdoor Fotografen, der auch bei sehr kalten Bedingungen die Kamera bedienen muss, zu einem unverzichtbaren Utensil der Equipmentliste macht. Das hat natürlich seinen Preis. Klare Kaufempfehlung für EUR 139,90.

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PRO:
-Handgelenksfangriemen zur Sicherung gegen Verlust oder in den Schnee fallen
-Warmer langer Fäustling aus Mikrofasergewebe mit atmungsaktiver Membran für optimalen Nässe und Windschutz
-Handrückentasche für die Aufnahme von Heizkissen zur Steigerung der Wärmefunktion für mehrere Stunden.
-Schneller Wechsel zwischen Fäustling und Innenhandschuh ohne Ausziehen der Fäustlinge
-Sicherung des umgeklappten Fäustlings mittels gut zu bedienendem Druckknopf und Klettverschluss am Daumen
-Griffige Handfläche durch Lederbesatz
-Karabiner verbindet die Handschuhe bei der Aufbewahrung und verhindert ein Suchen nach dem 2. Handschuh

 

CONTRA:
-keine winddichte Membran der Innenhandschuhe
-Pilling der Innenhandschuhe bereits nach wenigen Einsätzen und sichtbare Abnutzung der Silberbeschichtung von Daumen und Zeigefingers bei intensivem Gebrauch.

 

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